Was ist ein Dusting-Angriff?

„Dust" ist ein winziger Krypto-Betrag, der meist weniger wert ist als die anfallende Netzwerkgebühr. Bei einem Dusting-Angriff sendet jemand Dust gleichzeitig an Tausende von Adressen und beobachtet anschließend die Blockchain, um zu sehen, was diese Adressen als Nächstes tun.

Der Empfang von Dust gibt niemandem Zugriff auf deine Mittel. Das Risiko entsteht durch das, was du danach tust.

So funktioniert die Nachverfolgung

Blockchains sind öffentlich – jeder kann sehen, dass eine Adresse Dust erhalten hat. Für sich genommen sind Adressen pseudonym und nicht mit einem Namen verknüpft.

Die Verknüpfung entsteht, sobald du Krypto ausgibst. Verwendet eine spätere Transaktion den Dust zusammen mit deinen eigenen Mitteln – als Input-Konsolidierung bekannt – ist diese Transaktion ein öffentlicher Beweis dafür, dass dieselbe Person beide Adressen kontrolliert. Der Angreifer kann dann deine Adressen bündeln und deine Gesamtbestände schätzen. Hat eine Adresse in diesem Cluster Kontakt mit einem verifizierten Börsenkonto oder einem Händler gehabt, lässt sich der Cluster einer realen Identität zuordnen.

Am deutlichsten zeigt sich das bei Bitcoin und anderen Chains, die Unspent Transaction Outputs (UTXOs) verwenden – doch dieselbe Musteranalyse gilt auch für kontobasierte Chains wie Ethereum.

Warum Angreifer Dust versenden

Zur Deanonymisierung. Sobald ein Wallet mit einer Person verknüpft und ein hohes Guthaben nachgewiesen wird, wird diese Person zum Ziel von Spear-Phishing, Erpressung oder – in Hochrisikoregionen – körperlichen Bedrohungen.

Um für einen Betrug zu werben. Dust kommt oft als unbekannter Token an – mit einem Namen, Bild oder Memo, das auf eine Website verweist: „Prämie beanspruchen", „Du hast gewonnen". Die Website fordert dich auf, dein Wallet zu verbinden und eine Transaktion zu genehmigen, die dem Angreifer erlaubt, deine echten Assets zu transferieren.

Um deinen Transaktionsverlauf zu vergiften. Der Angreifer sendet eine winzige oder wertlose Überweisung von einer Adresse, die einer deiner Adressen täuschend ähnlich sieht – in der Hoffnung, dass du sie später kopierst. Diese Variante, bekannt als Address Poisoning, verursacht die größten Verluste. Siehe So funktioniert Address Poisoning.

Nicht jeder Dust ist böswillig. Strafverfolgungsbehörden und Finanzbehörden nutzen Dusting bei Ermittlungen, Blockchain-Analysefirmen für Forschungszwecke und Entwickler für Stresstests oder zur Netzwerküberlastung. Dust wird auch genutzt, um Werbebotschaften zu übermitteln. Anhand der Transaktion allein lässt sich nicht unterscheiden, welcher Fall vorliegt – behandle daher jeden Dust gleich.

So funktioniert Address Poisoning

  1. Der Betrüger beobachtet öffentliche Blockchain-Aktivitäten und identifiziert eine Adresse, an die du regelmäßig sendest.
  2. Er erstellt eine Adresse, die mit denselben Zeichen beginnt und endet wie deine. Die meisten Wallets und Apps zeigen nur Anfang und Ende einer Adresse an – die beiden sehen dadurch identisch aus.
  3. Der Betrüger sendet von dieser Adresse einen winzigen Betrag, einen wertlosen Transfer oder einen gefälschten Token, damit sie in deinem Transaktionsverlauf erscheint.
  4. Beim nächsten Mal kopierst du die Adresse aus deinem Verlauf – und dein Krypto landet beim Betrüger.

Besonders häufig tritt dies bei Stablecoins wie USDT und USDC auf. Manche Malware funktioniert ähnlich: Sie ersetzt eine kopierte Adresse beim Einfügen durch die des Betrügers. Siehe Vorsicht vor Computer-Malware.

Wenn du Krypto bei Kraken hältst

Krypto, das bei Kraken verwahrt wird, liegt in Krakens Verwahrung. Dust, der an eine Kraken-Einzahlungsadresse gesendet wird, gefährdet weder dein Konto noch dein Guthaben oder deine Anmeldedaten.

  • Eine kleine, unerwartete Einzahlung ist kein Anzeichen dafür, dass dein Konto kompromittiert wurde.
  • Du musst Dust weder melden noch Maßnahmen ergreifen, um dein Konto zu sichern.
  • Einzahlungen unterhalb des Mindestbetrags für das jeweilige Asset werden deinem Konto nicht gutgeschrieben.
  • Trading oder das Konvertieren eines kleinen Guthabens bei Kraken legt deine Adressen nicht offen. Jede Konsolidierung erfolgt innerhalb der Kraken-Systeme – nicht auf der Blockchain.
  • Behandle jede Nachricht, E-Mail oder jeden Anruf im Anschluss an eine Dust-Einzahlung als möglichen Phishing-Versuch – insbesondere wenn dabei auf die Einzahlung Bezug genommen wird, um Glaubwürdigkeit vorzutäuschen.
  • Prüfe dein Auszahlungsziel. Address Poisoning kann dich auch bei Auszahlungen von Kraken treffen. Kopiere die Zieladresse aus ihrer ursprünglichen Quelle – nicht aus dem Transaktionsverlauf eines Wallets – und prüfe die vollständige Adresse. Speichere regelmäßig genutzte Adressen als Auszahlungsadressen, sobald du sie überprüft hast. Siehe Kryptowährungs-Auszahlungsadresse hinzufügen und bestätigen.

Wenn du Kraken Wallet oder ein anderes Wallet zur Eigenverwahrung verwendest

Bei der Eigenverwahrung kommt Dusting besonders zum Tragen, denn du kontrollierst die Adressen und signierst die Transaktionen.

  • Lass den Dust unangetastet. Gib ihn nicht aus, tausche ihn nicht und konsolidiere ihn nicht mit deinen übrigen Mitteln. Nicht ausgegebener Dust lässt sich nicht zur Verknüpfung deiner Adressen nutzen.
  • Markiere ihn als „nicht ausgeben", wenn deine Wallet Coin Control unterstützt. So wird verhindert, dass die Wallet den Dust beim Erstellen künftiger Transaktionen automatisch auswählt.
  • Interagiere nicht mit unbekannten Token oder NFTs, die in deiner Wallet erscheinen – kein Beanspruchen, Swappen, Senden oder Genehmigen.
  • Verbinde deine Wallet nie mit einer Website, die du über einen Token-Namen, ein Memo, eine Airdrop-Nachricht oder ein Suchergebnis erreicht hast.
  • Blende Spam-Token aus, anstatt zu versuchen, sie zu verschieben oder zu verkaufen. Nutze in Kraken Wallet die Token-Reputationseinstellungen, um Token herauszufiltern, die nicht gelistet oder als Spam markiert sind.
  • Überprüfe bei jedem Senden die vollständige Adresse. Prüfe die gesamte Zeichenfolge – nicht nur die ersten und letzten Zeichen – und kopiere sie aus der Originalquelle, niemals aus deinem Transaktionsverlauf.
  • Sei bei Test-Transaktionen vorsichtig. Schon eine kleine Test-Transaktion kann Address Poisoning auslösen. Sobald die Test-Transaktion eingetroffen ist, kopiere die Adresse weiterhin aus der Originalquelle – nicht aus deinem Verlauf.
  • Verwende für jede Transaktion eine neue Empfangsadresse. Hierarchisch deterministische (HD) Wallets erledigen das automatisch: Deine Bestände verteilen sich dadurch auf viele Adressen, was eine Cluster-Analyse erschwert. Nutze für langfristige Bestände und den täglichen Gebrauch am besten getrennte Wallets.
  • Teile deine Seed-Phrase (auch Recovery-Phrase genannt) niemals mit anderen. Kein legitimer Anspruch, keine Erstattung und kein Support-Prozess erfordert sie. Kraken wird dich niemals danach fragen.

Das wird Kraken dich nie bitten zu tun

  • Benutzernamen, Passwort, 2FA-Codes oder Master Key weitergeben.
  • Eine Gerätefreigabe-E-Mail weiterleiten oder den enthaltenen Link teilen.
  • Deine Seed-Phrase (auch Recovery-Phrase genannt) für eine beliebige Wallet weitergeben.
  • Deine 2FA, deinen Master Key oder den Global Settings Lock (GSL) entfernen oder ändern – es sei denn, du hast uns zuvor über unsere offiziellen Kanäle um Hilfe gebeten.
  • Fernzugriffssoftware wie AnyDesk oder TeamViewer zu installieren. Siehe Risiken von Fernzugriffssoftware.
  • Krypto senden oder deine Mittel an eine „sichere" oder „geschützte" Wallet oder Adresse übertragen.
  • Eine Zahlung leisten, um deine Mittel freizugeben, zu entsperren oder zu „verifizieren".

Besteht Grund zur Sorge?

Für die meisten Menschen ist Dust eher lästig als gefährlich. De-Anonymisierung ist vor allem dann ein Risiko, wenn du ein hohes Guthaben in Eigenverwahrung hältst oder in einer Region lebst, in der persönliche Sicherheit oder politische Instabilität ein Problem darstellen.

Address Poisoning funktioniert anders. Die Höhe deines Guthabens spielt keine Rolle – betroffen ist jeder, der eine Adresse aus dem Transaktionsverlauf kopiert. Überprüfe die vollständige Adresse bei jedem Sendevorgang.

Was Dust nicht kann

Wer Krypto empfängt, gibt dem Absender keine Kontrolle über seine Wallet. Niemand kann deine Mittel bewegen, indem er dir eine Transaktion sendet. Verluste entstehen nur, wenn du etwas signierst, eine Token-Freigabe erteilst oder Mittel an eine Adresse sendest, die du nicht überprüft hast.

Wenn du mit einem schädlichen Token interagiert hast

  • Stoppe alle Transaktionen von der betroffenen Wallet sofort.
  • Widerrufe alle Token-Freigaben, die du der Website oder dem Kontrakt erteilt hast.
  • Falls du deine Seed-Phrase irgendwo eingegeben oder exportiert hast, übertrage deine verbleibenden Assets in eine neue Wallet, die mit einer neuen Seed-Phrase erstellt wurde.
  • Melde den Betrug. Falls jemand möglicherweise Zugriff auf dein Kraken Konto hat, wende dich sofort über dieses Formular an den Kraken Support und beantworte die Fragen so wahrheitsgemäß und vollständig wie möglich.

Krypto an die falsche Adresse gesendet

Blockchain-Transaktionen sind unwiderruflich, und Kraken kann keine Krypto zurückgewinnen, die an eine Adresse gesendet wurde, die Kraken nicht kontrolliert. Melde den Betrug und erstatte Anzeige bei den zuständigen Behörden (siehe Schütze dich vor Betrug). Sei misstrauisch gegenüber jedem, der anbietet, die Mittel zurückzuholen.

Weiterführende Informationen